Mindestlohn: 9,19 Euro – viel zu wenig!

Mindestlohn: 9,19 Euro – viel zu wenig!

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Bundesregierung und Mindestlohnkommission (DGB und Arbeitgeber) haben den Min­destlohn für 2019 auf 9,19 Euro pro Stunde festgesetzt. Alleinstehen­de Voll­zeitbe­schäf­tigte (38,5 Wochenstunden: 167 Stunden im Monat) bekom­men 1.535 Euro brutto. Davon müssen sie dem Finanzamt noch 79 Euro Lohnsteuer ab­treten. Abzüglich der Sozialversicherungs­beiträge blei­ben 1.148 Euro netto zum Leben.

Kann man von diesem Mindestlohn le­ben? Nur sehr schlecht!

Wer nur den Mindestlohn bezieht, kann vielfach noch mit Hartz IV auf­stocken.

  • Alleinstehende in Vollzeit (38,5 Wo­chenstunden) und einer Warm­miete von 500 Euro können sogar noch 76 Euro Hartz IV beanspru­chen,

  • AlleinverdienerInnen in einer Fami­lie mit zwei Kindern im Alter von 5 und 9 Jahren bei 800 Euro Warm­miete noch 822 Euro.

Für eine ausreichende Rente reicht die­ser Mindestlohn ebenfalls nicht.

Männer mit ihren durchschnittlichen Ver­sicherungsjahren erhalten in West­deutsch­land 555 Euro Rente netto (Ost: 570 Euro), Frauen nur 442 Euro netto (Ost: 565 Euro).

Zum Vergleich: Daimlerchef Zetsche er­hält eine Rente von 4.200 Euro pro Tag.

Die Reichen werden immer reicher.

Das Wirtschaftswachstum der letzten Jahrzehnte kam im Wesentlichen bei den reichsten zehn Prozent an“, so Ste­fan Bach vom Deutschen Institut für Wirt­schaftsforschung.

Armutslöhne (und Hungerrenten) sen­ken bekanntlich Lohnkosten und er­höhen die Renditen.

Die Armut der Einen erzeugt den Reich­tum der Anderen. 45 Familien hatten in Deutschland 2014 ein höhe­res Vermö­gen als rund 20 Millionen Haushalte.

Das macht zunehmend wütend!

In Frankreich entlädt sich die Em­pörung in Pro­tes­ten der Gelbwesten. Auch bei uns wächst der Unmut.

Der Mindestlohn muss auf 12 Euro erhöht werden!

Diese Forderung gibt es schon länger.

Über Nacht brachten jetzt sogar führende Sozialdemokraten den Mindestlohn von zwölf Euro ins Spiel. Es soll wieder „linkes Profil“ gezeigt werden. Die gewaltigen Stimmenverluste der SPD bei den letzten Wahlen haben die für Hartz-Gesetze und Rentenabbau hauptverantwortliche Partei zutiefst beunruhigt. Sie geht auf Stimmenfang.

Die Spitzen des VdK und des Sozialverbandes Deutschland sprechen sich ebenfalls für einen Mindestlohn von zwölf Euro aus, seit Ende 2018 auch der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann (SPD).

Die AfD dagegen begrüßt zur Freude der Arbeitgeberverbände die mickrigen 9,19 Euro. Sie lenkt von den Profiteuren ab und schürt lieber Hass auf Ausländer.

12 Euro Mindestlohn – „armutsfest“?

Bei 12 Euro Stundenlohn bekommen alleinstehende Vollzeitbeschäftigte 1.410 Euro netto (2.004 Euro brutto). Sie liegen damit deutlich über Hartz IV.

Aber:

  • AlleinverdienerInnen in einer Familie mit zwei Kindern im Alter von 5 und 9 Jahren haben bei 800 Euro Warm­miete immer noch einen Anspruch auf 447 Euro Hartz-IV.

  • Männer mit ihren durchschnittlichen Versicherungsjahren erarbeiten mit 12 Euro in Westdeutschland eine Nettorente von 719 Euro (Ost: 738 Euro), Frauen nur 572 Euro netto (Ost: 733 Euro).

12 Euro – immer noch ein Armutslohn!

Die Beschlüsse der Mindestlohnkommission sind für die Bundesregierung laut Gesetz bis 2020 bindend. Dann muss eine Überprüfung stattfinden.

Der Mindestlohn wurde 2015 auf viel zu niedrige 8,50 Euro festgesetzt und seither mit jährlich 2 Prozent erhöht. Wird das beibehalten, kommt es erst 2033, also in vierzehn(!) Jahren, zu einem Mindestlohn von zwölf Euro.
Das geht gar nicht!

Mindestlohn von 12 Euro sofort!

 

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